Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe rund um orientalische Teppiche — kurz und verständlich erklärt.
A
- Abrash
- Natürliche Farbabweichungen innerhalb einer Teppichfläche, die durch unterschiedliche Färbechargen oder Wollsorten entstehen. Bei handgeknüpften Teppichen ein Qualitätsmerkmal.
- Allover-Muster
- Durchgehendes Muster ohne zentrales Medaillon — wiederholende Motive füllen die gesamte Teppichfläche gleichmäßig aus.
- Antik-Finish
- Chemische oder thermische Behandlung, die neuen Teppichen ein gealtertes Aussehen verleiht. Nicht zu verwechseln mit echten Antikteppichen.
- Arabeske
- Geschwungenes, rankenartiges Ornament aus floralen Motiven und Blattwerk — häufiges Gestaltungselement in persischen Werkstatt-Teppichen.
B
- Bordüre
- Umlaufender Rahmen eines Teppichs, meist aus mehreren parallelen Streifen mit unterschiedlichen Mustern, der das Mittelfeld einfasst.
- Boteh
- Tropfen- oder mandelförmiges Motiv mit gebogener Spitze — in Europa als Paisley bekannt. Stammt ursprünglich aus persischer Tradition.
C
- Chromfarben
- Synthetische Farbstoffe, die mit Chromsalzen auf der Wolle fixiert werden. Sehr lichtecht, aber weniger lebendig als Pflanzenfarben.
D
- Dozar
- Persisches Standardformat von etwa 130 × 200 cm ("zwei Zar"). Einer der klassischen Größenstandards für Zimmerteppiche.
F
- Flor
- Die Oberfläche des Teppichs, die durch die geschnittenen Knotenenden gebildet wird. Die Florhöhe variiert je nach Stil von kurz (Nain) bis lang (Gabbeh).
- Fransen
- Enden der Kettfäden, die an den beiden kurzen Seiten des Teppichs sichtbar sind. Ihre Länge und Zustand geben Hinweise auf Alter und Qualität.
G
- Galerie-Teppich
- Extra langer Läufer ab etwa 300 cm Länge, für Korridore und Treppenabgänge. Verwandt mit dem Kenareh-Format.
- Gebetsteppich
- Kleinformatiger Teppich mit einer Nische (Mihrab) als zentrales Motiv, die beim Beten Richtung Mekka zeigt. Häufig bei türkischen und afghanischen Teppichen.
- Ghiordes-Knoten
- Symmetrischer Doppelknoten, benannt nach der türkischen Stadt Gördes. Wird vor allem in türkischen und kaukasischen Teppichen verwendet.
- Gol Farangh
- "Europäische Blume" — naturalistisches Rosenmotiv nach westlichem Vorbild. Zeigt den europäischen Einfluss auf persische Knüpfkunst des 19. Jahrhunderts.
- Gul
- Achteckiges oder rautenförmiges Medaillon-Motiv, das typisch für turkmenische Teppiche ist. Jeder Stamm hat sein eigenes Gul-Muster.
H
- Handgeknüpft
- Traditionelle Fertigungstechnik, bei der jeder einzelne Knoten per Hand um Kettfäden geschlungen wird. Erkennbar an leichten Unregelmäßigkeiten auf der Rückseite.
- Handgewebt
- Flachgewebe ohne Knoten — Muster entstehen durch farbige Schussfäden. Typisch für Kelim-Teppiche.
- Hatschlu (Ensi)
- Turkmenischer Türbehang in Teppichform mit charakteristischem Kreuz-Feld. Diente in Nomadenzelten als Eingangsvorhang.
- Herati
- Klassisches Muster aus einem Rautenrahmen mit zentraler Rosette und vier gebogenen Blättern (Fisch-Motiv). Sehr verbreitet in persischen Dorfteppichen.
I
- Indigo
- Pflanzlicher Farbstoff aus der Indigopflanze, der tiefe Blautöne erzeugt. Einer der wichtigsten Naturfarbstoffe orientalischer Teppiche.
J
- Jufti-Knoten
- Sparknoten, bei dem ein Knoten vier statt zwei Kettfäden umschlingt. Reduziert Arbeitszeit und Knotenzahl — typisch für Mashhad und Kaschmar.
K
- Karton (Teppichentwurf)
- Maßstabsgetreue Musterzeichnung auf kariertem Papier — jedes Kästchen entspricht einem Knoten. Grundlage für Werkstatt-Teppiche.
- Kelim
- Flachgewebe ohne Flor, bei dem Muster durch farbige Schussfäden erzeugt werden. Leichter und dünner als geknüpfte Teppiche.
- Kenareh
- Schmaler, langer Läufer (etwa 80–120 × 300–500 cm). Traditionell entlang Wänden oder im Korridor persischer Wohnräume platziert.
- Kette (Warp)
- Die senkrecht gespannten Fäden auf dem Webstuhl, um die die Knoten geschlungen werden. Meist aus Baumwolle, bei edlen Stücken aus Seide.
- Knotendichte
- Anzahl der Knoten pro Quadratmeter. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal — höhere Dichte ermöglicht feinere Muster und deutet auf aufwendigere Handarbeit hin.
- Korkwolle
- Besonders weiche Wolle vom Bauch und Hals junger Schafe. Wird in den feinsten persischen Teppichen wie Isfahan oder Täbriz verwendet.
- Krapp
- Pflanzlicher Farbstoff aus der Krappwurzel (Rubia tinctorum), der satte Rottöne erzeugt. Klassischer Naturfarbstoff für Teppiche aus Iran und Afghanistan.
L
- La-Klassifizierung
- Qualitätssystem für Nain-Teppiche: Die Zahl (4la, 6la, 9la, 12la) gibt die Anzahl der Kettfäden pro Knoten an. Je niedriger, desto feiner der Teppich.
- Laufender Hund
- T-förmiges Wellenband als Bordürenmotiv — griechischer Ursprung, häufig in kaukasischen und persischen Teppichen.
M
- Medaillon
- Zentrales Motiv im Teppichfeld, meist oval oder rautenförmig. Eines der häufigsten Designelemente in persischen Teppichen.
- Mihrab
- Bogenförmige Gebetsnische, typisches Motiv auf Gebetsteppichen. Zeigt beim Beten in Richtung Mekka.
- Mina Khani
- Allover-Muster aus rautenförmig angeordneten Blüten mit kleinen Zwischenblüten. Typisch für Teppiche aus Waramin und Veramin-Region.
- Mir-e-boteh
- Allover-Muster aus eng gesetzten kleinen Boteh-Motiven, das dem Mir-Teppich seinen Namen gab.
N
- Nomadenteppich
- Auf tragbaren Horizontalwebstühlen von Nomadenstämmen geknüpft, oft aus reiner Wolle mit natürlichen Farben und freien Mustern ohne Karton.
P
- Palmette
- Stilisierte Lotusblütenform als zentrales Medaillon-Element. Klassisches Motiv persischer Werkstatt-Teppiche seit dem 16. Jahrhundert.
- Patina
- Natürliche Alterungsspuren eines Teppichs: leichte Farbverblassung, seidiger Glanz und weichere Wolle. Bei antiken Stücken wertsteigernd.
- Pazyryk
- Der älteste erhaltene Knüpfteppich der Welt, 1947 in einem skythischen Kurgan in Sibirien entdeckt. Datiert auf etwa 400 v. Chr.
- Pflanzenfarben
- Natürliche Farbstoffe aus Pflanzen wie Krapp (rot), Indigo (blau), Reseda (gelb) oder Walnussschale (braun). Erzeugen lebendige, mit der Zeit sanft verblassende Töne.
- Poschti
- Kleinformatiger Teppich (etwa 60 × 90 cm), ursprünglich als Kissenunterlage oder Rückenlehne in persischen Wohnräumen verwendet.
R
- Raj
- Maßeinheit für die Knotenfeinheit bei Täbriz-Teppichen. Gibt die Anzahl der Knoten auf 7 cm Breite an. 50 Raj gilt als fein, 70+ Raj als sehr fein.
- Rand
- Schmale Abschlusskante an den Längsseiten eines Teppichs, meist überknotet oder überwendlich genäht zum Schutz der Knoten.
- Reseda
- Pflanzlicher Farbstoff aus dem Färberwau (Reseda luteola), der leuchtende Gelbtöne erzeugt. Einer der ältesten natürlichen Farbstoffe.
S
- Sardar
- Bezeichnung für den breiten Hauptstreifen der Bordüre, der meist die aufwendigste Mustergestaltung des Rahmens trägt.
- Schuss (Weft)
- Die waagerechten Fäden, die nach jeder Knotenreihe durch die Kette gezogen werden, um die Knoten zu fixieren.
- Seide
- Edelstes Material für Teppichknüpfung. Erzeugt feinsten Flor mit charakteristischem Glanz und Farbtiefe. Typisch für Ghom, Hereke und Kaschmir.
- Senneh-Knoten
- Asymmetrischer Einzelknoten, benannt nach der Stadt Sanandaj. Wird vor allem in persischen Teppichen verwendet und ermöglicht besonders feine Muster.
- Shahrbaff
- "Stadt-geknüpft" — Qualitätsbezeichnung für feine Werkstattarbeit in persischen Städten. Gegensatz zu Farsibaff (dörflich) und Loribaff (nomadisch).
- Shirazi
- Technik der Kantenumwicklung an den Längsseiten des Teppichs. Schützt die Webkante und ist nicht mit den Fransen (Kettenden) zu verwechseln.
- Spandrel / Zwickel
- Dreieckige Eckfelder eines Teppichs, die oft ein Viertel des Medaillons spiegeln oder eigene Motive tragen.
- Sumach / Soumak
- Flachgewebe-Technik, bei der farbige Schussfäden um die Kettfäden gewickelt werden. Erzeugt eine reliefartige Oberfläche; typisch für kaukasische Teppiche.
T
- Talim
- Schriftliche Musteranleitung, die beim Knüpfen vorgelesen wird. Kodiert Farbe und Anzahl der Knoten pro Reihe.
- Tibetischer Knoten
- Knüpftechnik, bei der die Wolle um einen Hilfsstab gelegt wird. Ermöglicht sehr gleichmäßige Knüpfung — typisch für Nepal-Teppiche.
- Tschintamani
- "Drei Kugeln und Streifen" — uraltes buddhistisches Motiv, das über die Seidenstraße in osmanische und persische Teppiche gelangte.
V
- Vegetabil gefärbt
- Wolle, die ausschließlich mit pflanzlichen Farbstoffen gefärbt wurde. Merkmal hochwertiger Natur- und Designer-Teppiche wie Ziegler.
- Vintage-Teppich
- Älterer Gebrauchsteppich, oft überfärbt oder nachträglich dekontrastiert für modernen Wohnstil. Nicht identisch mit echten Antikteppichen.
W
- Wagireh
- Musterteppich mit mehreren unterschiedlichen Mustervarianten auf einem Stück. Diente Werkstätten zur Präsentation ihres Repertoires an Kunden.
- Washed / gewaschen
- Nachbehandlung, bei der der fertige Teppich chemisch oder mit Tee gewaschen wird, um einen sanfteren, vintageartigen Farbton zu erzielen.
- Wolkenband
- Chinesisches Motiv geschwungener Wolkenlinien, das über die Seidenstraße in Ming- und spätere persische Teppiche gelangte.
Z
- Zil-i-Sultan
- "Schatten des Sultans" — persisches Musterfeld mit sich wiederholenden Vasen und Vögeln. Benannt nach einem Qajar-Gouverneur.
60 Begriffe erfasst. Dieses Glossar wird laufend ergänzt.
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